Die Geschichte des Rosenheimer Vogelvereins (1)

Die ersten 75 Jahre

Kurz nach der Jahrhundertwende, genau am 15. Dezember 1907, wurde in Rosenheim von dem Eisenbahnschaffner Michael HAIMERL und dem Polizeiwachtmeister WINDISCH der „Vogelschutz- und Zuchtverein Rosenheim und Umgebung“ gegründet. Bereits ein Jahr später zählte der Verein 45 Mitglieder. Wie der Vereinsname schon aussagt, setzten sich unsere Vorgänger als Zweck der Vereinsgründung zum einen den Schutz der einheimischen Vogelwelt und zum anderen die Zucht edler Kanariensänger nämlich der „Harzer Roller“. Nach den wenigen noch vorhandenen Aufzeichnungen aus den ersten zwanzig Jahren des Vereines wurden ausschließlich Gesangskanarien gezüchtet. Die Folgen der kriegerischen Auseinandersetzung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwischten nicht nur viele schriftliche Aufzeichnungen über das Vereinsleben, sonder rissen auch schmerzliche Lücken in die treue Gefolgschaft. Ältere Mitglieder und Leser dieser Zeilen werden sich sicher noch mit Unbehagen an die Zeit nach dem ersten Weltkrieg mit seinen für heutige Verhältnisse unvorstellbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten erinnern. Inflation und Arbeitslosigkeit sowie Reparationszahlungen an die Siegermächte waren die Gründe für diese Not. In den meisten Vogelzüchter-Haushalten war sicher  „Schmalhans“ Küchenmeister. Um so mehr ist der Mut und das Engagement der damaligen Vogelzüchter zu bewerten, dass sie immer wieder mit ihren gefiederten Lieblingen in Form von Ausstellungen an die Öffentlichkeit traten, um ihre Sänger dem interessierten Publikum vorzustellen und das Bild durch eine Rahmenschau mit „exotischen Schauvögeln“, wie es in den Katalogen hieß, etwas bunter zu gestalten. Gemeint waren hier einige Großsittiche und Exoten, die sich bereits zur Pflege in Liebhaberhand befanden. An die Zucht solcher Vögel dachte damals noch niemand. Auch die Vogelschutzabteilung des Vereines beteiligte sich regelmäßig mit Schrift- und Bildmaterial sowie durch die Vorführung einer umfangreichen Sammlung von lebenden Exemplaren der einheimischen Vogelwelt an den Ausstellungen. Der Verein besaß auch eine Sammlung von Präparaten seltener Vögel, welche die Ausstellungen jeweils bereicherten.

Der damalige Vorstand Michael HAIMERL, offensichtlich nicht nur ein großer Idealist sondern auch exzellenter Organisator und Führungspersönlichkeit, leitete die Vereinsgeschicke über sage und schreibe einundzwanzig Jahre bis zum Jahr 1928. Zusammen mit seinen sicher nicht wenigen tüchtigen Funktionären wie Franz HELD als 2. Vorstand, Georg GROSSMANN als 1. Schriftführer, Josef HOPF als 1. Kassier, Johann SCHMIDT als 2. Schriftführer, Simon STEGNER als 2. Kassier, Leonhard ZEHETHOFER als Revisor und Johann LOEW als Materialverwalter sowie Josef KAISER als Vereinsdiener (?) stellten sich unsere Vorgänger im Jahr 1927 im damaligen Vereinsheim „Hotel König Otto“ (jetziger Wienerwald) die Aufgabe, die 2. Vogelausstellung des Bayrischen Landesverbandes für Vogelzucht- und Schutzvereine auszurichten. Laut Katalog wurden bei dieser Schau 156 Gesangskanarien, 40 Figuren- und Farbkanarien, 16 Mischlinge (ausschließlich Stieglitzmischlinge, die damals etwas abwertend „Bastarde“ genannt wurden), sowie eine Amazone und ein Graupapagei ausgestellt. Das was die Engländer heute noch mit großem Erfolg praktizieren, machten die Rosenheimer damals auch schon: Sie hatten für die damaligen Verhältnisse eine umfangreiche Verkaufsklasse mit jedem Vogel einzeln in einem Käfig mit einer Käfig- und Katalognummer versehen, sowie dem Namen des Verkäufers und dem Verkaufspreis. Die Vögel wurden über die Ausstellungsleitung verkauft, die 10 % des Verkaufspreises einbehielt, die der Vereinskasse zuflossen. Diese Ausstellung war anscheinend ein großer Erfolg, denn sie gab den Verantwortlichen den Mut, nun jedes Jahr eine Vereinsausstellung durchzuführen. Im Jahr 1929 war im Katalog als 1. Vorstand Herr Georg GROSSMANN eingetragen. Der vorherige Vorsitzende Sportfreund HAIMERL ist als Ehrenvorsitzender erwähnt. GROSSMANN war nur ein Jahr Vorstand und wurde von Franz HELD abgelöst. Sportfreund HELD war vier Jahre mit diesem Amt betraut.

Das gut organisierte Vereinsleben und das Streben der Rosenheimer Vogelzüchter, an die Öffentlichkeit zu treten, gipfelte 1932 darin, dass anlässlich des 25jährigen Bestehens des Vereines eine Jubiläumsausstellung veranstaltet wurde, verbunden mit der Ausrichtung der 7. Bayrischen Landesverbandsschau. Die Jubiläumsausstellung stand unter dem Protektorat des damaligen 1. Bürgermeisters der Stadt Rosenheim, Herrn Dr. KNORR, und der „gütigen“ Mitwirkung des Zoologischen Gartens München. Die Ausstellung fand in der Zeit vom 7. bis 11. Dezember 1932 im Vereinslokal „Hotel König Otto“ statt. Zu diesem Jubiläum wurden herrliche Gedenkmedaillen geprägt und an die jeweiligen Sieger ausgegeben. Verantwortlich für diese große Ausstellung und gleichzeitig bis 1982 letzte Ausrichtung einer Verbandsschau waren: Franz HELD als 1. Vorstand und Ausstellungsleiter, Georg GROSSMANN war Vertreter, Konrad WENDLINGER als Schriftführer und Georg RASP als Kassier. Wie bei allen vorangegangenen Ausstellungen waren wiederum überwiegend Kanarien und zwar vorwiegend „Harzer Roller“ vorgestellt worden. Die bisher bezeichneten Figurenkanarien wurden bei dieser Ausstellung schon Gestaltskanarien genannt. Neben einigen Exoten, die leider nicht näher bezeichnet sind, wurden unter der Rubrik Schauvögel nur die Farben Kobaltblau, Weiß, Himmelblau, Gelb und Grün aufgeführt. Das scheint die „Geburtsstunde“ der Wellensittiche als Ausstellungsvögel gewesen zu sein und sicher hat damals niemand daran gedacht, dass sich diese Sparte so enorm entwickeln würde. Nach der Ausstellung von 1933, ein Jahr, das auch für die Deutsche Geschichte damals noch ungeahnte Folgen haben sollte, ging man zum Zweijahresrhythmus über, das heißt, es wurden nur noch alle zwei Jahre Ausstellungen abgehalten.

Bei der Generalversammlung am 17. Februar 1935 wurde Josef NIEDERMAIER zum 1. Vorsitzenden des Vereines gewählt. Der Rosenheimer Vogelverein hatte sicher im Laufe seines langjährigen Bestehens viele Sportfreunde, die sich mit Leib und Seele für den Verein eingesetzt haben und die es verdient hätten, hier erwähnt zu werden. Das würde aber sicher den hier möglichen Rahmen sprengen, so dass ich mich wirklich nur auf die markantesten Persönlichkeiten beschränken kann, die sich im wahrsten Sinne des Wortes um den Rosenheimer Verein verdient gemacht haben.

Das war als Erster der Vereinsgründer und langjährige 1. Vorstand – wie bereits erwähnt leitete er mit großem Erfolg den Verein einundzwanzig Jahre lang – der unvergessen Michael HAIMERL. Gleich danach ist jedoch ein zweiter Mann zu nennen, der unseren traditionsreichen Verein ebenfalls über zwanzig Jahre lang leitete und ihn durch die schwierigen Kriegsjahre des 2. Weltkrieges führte. Viele Vereine haben sich in dieser Zeit vollkommen aufgelöst und wurden nach dem Krieg auch nicht wieder gegründet. Der Rosenheimer Vogelzuchtverein aber, das beweisen die vorzüglich geführten Protokolle des damaligen 1. Schriftführers Konrad WENDLINGER, hielt, wenn auch oft mit einigen Monaten Unterbrechung, die gesamten Kriegsjahre hindurch Versammlungen ab und meisterte alle Probleme, die eine so schwere Zeit mit sich bringt, nicht zuletzt durch den kameradschaftlichen Zusammenhalt seiner Mitglieder. Der entscheidende Mann für diesen Zusammenhalt war Josef NIEDERMAIER. Im Jahr seiner Wahl zum 1. Vorstand leitete Sportfreund NIEDERMAIER auch gleich die fällige Ausstellung, wieder abgehalten im „Hotel  König Otto“ in Rosenheim. Unter der Leitung von NIEDERMAIER, der ein sehr geselliger Mensch gewesen ist, wurden beim Rosenheimer Vogelverein nicht nur vorzügliche Vögel gezüchtet, sondern man verstand auch Feste zu feiern. Man ließ keine Gelegenheit aus dies, oft auch unter Einbeziehung der Familienmitglieder, zu tun und vielleicht liegt darin auch das Geheimnis, dass diese „verschworene Gesellschaft“ den Verein so erfolgreich über die schweren Kriegsjahre brachte. Es wurden auch ein Stammtisch gegründet und man traf sich jeden Sonntagvormittag im „Hotel König Otto“, um sicher nicht nur über züchterische Probleme zu sprechen, sondern man leerte so manchen Krug mit kühlem Trunke.

Am 11. Dezember 1937 trafen sich 57 Personen (Mitglieder, Angehörige und geladene Gäste) zur Dreißigjahrfeier des Vereines im „grünen“ Festsaal des Vereinslokals. Prolog, Festreden und eine vereinseigen Musikkapelle und nicht zuletzt fünfzig Liter Freibier des Lokalwirtes trugen zu einer ausgelassenen Stimmung bei und die letzten Jubilare machten sich erst am frühen morgen auf den Heimweg. Dass ein Vereinsvorstand zu dieser Zeit besonders anpassungsfähig sein musste, werden die älteren Mitglieder sicher noch in guter Erinnerung haben. Denn nichts ging, aber auch gar nichts ohne den „Segen“ der ortsansässigen Parteiführung. Das begann bei der Genehmigung der geplanten Ausstellungen, die mit Kriegsbeginn im Jahr 1939 zwar sowieso generell verboten wurden, und endeten bei der äußerst kargen Futterzuteilung an den Verein, der das Futter dann an seine Mitglieder verteilte. So begannen die bereits erwähnten Protokolle des Sportfreunds WENDLINGER immer auf die gleiche Weise: „Vereinsleiter NIEDERMAIER eröffnet die Versammlung mit dem Deutschen Gruß“. Für die Jüngeren zur Erklärung bedeutet das, dass sich die versammelte Mannschaft von den Plätzen zu erheben und mit ausgestrecktem rechten Arm ein kräftiges „Heil Hitler“ zu entbieten hatte, damit war die Versammlung eröffnet. So wie in dieser Zeit alles vereinheitlicht und uniformiert wurde, so wurden auch im „Reichsverband Deutscher Kanarienzüchter“ die Einheitskäfige für Gesang- und Farbvögel 1937 eingeführt. Unser Verein bestellte bei einem Käfighersteller im Harz hundert Stück Ausstellungskäfige, das Stück für 55 RPf. (Reichspfennige).

Bei der Generalversammlung am 10. Juli 1938 wurde dann im Verein eine Namensänderung vorgenommen. Mit Mehrheit wurde beschlossen, dass der Rosenheimer Vogelverein nunmehr den Namen „Kanarien Zuchtverein Rosenheim und Umgebung, Sitz Rosenheim, RKZ B 32“ trägt. Im April 1939 beschloss die Mehrheit unserer Vorgänger, dem „Führer“ zu seinem 50. Geburtstag einen Präsentkorb und einen Kanarienhahn (guter Sänger) zu überreichen, wofür sich der „Führer“ mit „Deutschem Gruß“ bedankte. Die Kriegsjahre für die glücklichen Vogelliebhaber, die nicht ins „Feld“ mussten, waren zu Hause offensichtlich auch nicht ganz ohne Probleme. So war es schon schwierig, für die Familie und sich selbst ausreichen Lebensmittel zu beschaffen. Aber dafür gab es ja wenigstens die Lebensmittelmarken. Aber wer dachte da schon an die gefiederten Freunde unserer Vorgänger, die ebenfalls Hunger hatten und sicher kein Verständnis dafür hatten, dass mit der Dauer des Krieges die täglichen Rationen immer kleiner wurden. Da durfte kein Körnchen verloren gehen und so mancher Züchter versetzte seine letzten warmen Socken, um an ein Pfund Rüben zu gelangen. Überhaupt war der Erfindergeist unserer Vorgänger schier unerschöpflich, wenn es darum ging, die Vögel mit Futter zu versorgen. Vorstand NIEDERMAIER organisierte im Sommer Exkursionen in die umliegenden Auen und Wiesen, um nach geeigneten Samenständen für die Vögel zu suchen. Für gebrauchtes Futter wurde eine Futterreinigungsmaschine gebastelt, die allen Mitgliedern zur Verfügung stand, um nur ja kein Körnchen des wertvollen Futters zu vergeuden. Sportfreunde, die einen Garten hatten, pflanzten Hirse an, um diese an die Vogelweibchen zu verfüttern und den wertvollen Rübsen bekamen nur die Hähne. Glücklich dran waren auch die, die auf irgendeine Weise an Hühnerfutter irgendwelcher Art kamen, denn dafür gab es die halbe Menge Vogelfutter. Es war wie gesagt eine Zeit, die man sich nicht mehr wünscht, weder für sich noch für seine Nachfolger. Aber es war auch eine Zeit, die Freundschaften schmiedete und den kameradschaftlichen Zusammenhalt festigte.

Das Kriegsende im Jahr 1945, auch oft zutreffend „Zusammenbruch“ genannt, brachte auch für unseren Verein viele schmerzliche Erkenntnisse, – nicht aber den Zusammenbruch, denn Vorstand NIEDERMAIER war unermüdlich und versammelte nach Kriegsende sofort seine Vorstandschaft, um die neue Lage zu besprechen. Vier Vereinskameraden waren im „Felde“ geblieben, einer war vermisst, das war die traurige Bilanz. Das Vereinslokal war von unseren Siegern besetzt, so dass man sich in „Thaller´s Bierhalle“ treffen musste. Es war eine tiefe Depression festzustellen in den Reihen unserer Vorgänger und alle hatten zunächst andere sorgen, dann fast in jeder Familie war ein schmerzlicher Verlust eines Angehörigen zu beklagen.

Der Verein hatte zu dieser Zeit einen Materialbestand, der immer wieder in der Bilanz mit ca. 1.000,– RM ausgewiesen wurde. Dazu kam noch ein Kassenstand von 970,38 RM. Der Kassier versuchte verzweifelt, dieses Geld auf irgendeine Weise „anzulegen und wenn es nur ungehobelte Bretter wären, mit denen wir uns später ein Regal bauen könnten“. Aber nichts ging, keiner wollte die kaufkraftlosen Reichsmark haben, nicht einmal für ein Sackerl Futter. Und so blieb nichts anderes übrig als abzuwarten, was kommen wird. Und es kam schneller etwas als viele gemeint hatten, nämlich die Währungsreform. Das hieß für unseren Verein, dass die 970,38 RM in 48,90 DM umgetauscht wurden. Vorstand NIEDERMAIER bat in seiner Verzweiflung bei der Versammlung am 08. August 1948 die Mitglieder, eine Sammlung durchzuführen, denn die Kasse sei völlig leer. Er habe bereits Geld ausgelegt für Gebühren, die zu entrichten waren bei der Militärregierung, um eine Lizenz zur Weiterführung des Vereins zu erhalten. Der Kassier war glücklich, als er am Abend nach Versammlungsschluss mit einem Kassenstand von 23,– DM nach Hause gehen konnte. Nun war auch plötzlich wieder Futter in den Regalen der Handlungen, aber nun fehlte wieder etwas, um es kaufen zu können, nämlich das Geld. Es war für den Verein und seine Mitglieder die schwerste Zeit seit seinem Bestehen. An die Abhaltung einer Ausstellung, um so an Geld zu kommen, war überhaupt nicht zu denken. Denn erstens fehlte das Geld, so eine Ausstellung vorzubereiten und zweitens fehlten vor allem die Vögel, die hätten gezeigt werden können.

Aber unsere Vorgänger ließen nicht locker und so schlossen sie sich im Jahr 1949 mit dem Rosenheimer Aquariumsverein zusammen und zeigten ihre wenigen Vögel zusammen mit im Wasserbecken schwimmenden Fischen. Dies fand im „alten Bräuhaus“ statt, das auch bis 1953 Versammlungslokal war. Der Eintritt kostete für Erwachsene -,50 DM, für Kinder -,10 DM. Die Einnahmen wurden geteilt. So ging es langsam mit unserem Verein wieder aufwärts. Das Bestreben von NIEDERMAIER war insbesondere, junge Mitglieder zu gewinnen und die Farbkanarienzucht zu verbessern, obwohl er selber Gesangsvögel züchtete, um auf zukünftigen Ausstellungen ein bunteres Bild den Besuchern zeigen zu können. Nach mehreren Wechseln konnte man im November 1953 wieder in das geliebte Vereinslokal „König Otto“ einziehen.

Bereits vom 24. bis 27. Dezember 1953, also genau an den Weihnachtsfeiertagen, wurde die erste Ausstellung nach dem Krieg in alleiniger Regie durchgeführt. Der Kassier muss einen Luftsprung gemacht haben, denn es blieb nach Abzug der Ausgaben ein Reingewinn von 324,92 DM. Das war der Grundstock für weitere Vorhaben. Bereits zwei Jahre später wurde die nächste Ausstellung durchgeführt, wiederum im „König Otto“. Der Überschuss der Ausstellung wurde der städtischen Armenkasse zur Verfügung gestellt.

1957, wiederum an den Weihnachtstagen, fand dann die Jubiläumsausstellung anlässlich des 50jährigen Bestehens des Vereines statt. Hier zeigte sich bereits ein Trend und zwar hin zur bunteren Vogelwelt. Im Katalog von damals sind zwar noch eine stattliche Anzahl Gesangskanarien vertreten, aber ebensoviele Farben- und Gestaltskanarien. Überraschend aber war, wie schnell die Rosenheimer zu exotischen Vögeln kamen wie Reis- und Schilffinken, Rothaubenkardinale, Gitterflügelastrilden und viele mehr, um nur einige zu nennen, nicht zu vergessen, es war auch eine Kollektion violetter Wellensittiche vertreten. Die Ausstellung war ein guter Erfolg und der Verein konnte wiederum zu seinem 50jährigen Bestehen Jubiläumsmedaillen an die Sieger verteilen.

Auch in der Organisation des Vereins hatte sich verschiedenes verändert. Am 22. Februar 1953 trat Josef NIEDERMAIER als Vorstand zurück. Er hatte 18 Jahre lang in aufopfernder Weise den Verein geführt. Sein Nachfolger wurde Sportfreund POBEL. Dieser hatte jedoch in der Vereinsführung einen schweren Stand, denn es kam immer wieder zu Streitereien mit dem ehemaligen Vorstand NIEDERMAIER. Nach so einem Streit trat am 13. März 1955 POBEL von seinem Amt zurück und NIEDERMAIER übernahm wieder den Vorsitz. Am 23. Februar 1958 trat NIEDERMAIER aus gesundheitlichen Gründen endgültig zurück. Ein Mann nahm seinen Abschied, der den Verein über 21 Jahre hindurch geleitet und geprägt hatte.

Die Neuwahl ergab als 1. Vorstand Sportfreund WIMBAUER. Dieser hatte ein schweres Erbe anzutreten, denn mit dem „König Otto“ als Vereinslokal war es endgültig vorbei, der Verein musste in das „Flötzinger Löchl“ umziehen. Der Eifer des Herrn WIMBAUER, den Verein zu führen, war auch nicht besonders groß und bereits ein Jahr später wurde sein Nachfolger nämlich Josef MÜLLER zum 1. Vorstand gewählt. Im Herbst 1959 wurde auch gleich unter seiner Regie eine gelungene Ausstellung im „Flötzinger Löchl“ abgehalten. Der Verein zählte zu dieser Zeit 57 Mitglieder und Vorstand MÜLLER in seiner ruhigen, eher musisch veranlagten Art hatte alle Mühe, die oft sehr temperamentvoll vorgetragenen Meinungen seiner Mitglieder unter einen Hut zu bringen. Dies gelang ihm aber doch über drei Jahre hindurch recht gut. Die in seiner Zeit stattgefundenen Veranstaltungen hatten angenehmen familiären Charakter.

Am 11. Februar 1962 wurde dann Herbert KÖPPL zum 1. Vorstand gewählt. Sportfreund KÖPPL als langjähriges Mitglied hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits alle Funktionen des Vereins durchlaufen. Vom Obmann über Kassier und Schriftführer stellte er überall seinen Mann. Er setzte auch seine Kraft als 1. Vorstand in den Dienst des Vereines. Unter seiner Führung wurden nun auch wieder regelmäßig alle zwei Jahre Vereinsausstellungen durchgeführt. Bei der Generalversammlung im Jahr 1966 wurde dann auf Vorschlag des 1. Vorstandes eine weitere Umbenennung des Vereines vorgenommen. Der Verein sollte nunmehr „Vogelzucht- und Liebhaberverein Rosenheim und Umgebung“ heißen. Der Sinn der Umbenennung war die Trennung des Vogelschutz- vom Vogelzuchtverein. Die vorhandenen Nisthöhlen und anderes Material wurde dem Vogelschutzverein überlassen. Nun wurde also ausschließlich Vogelzucht betrieben und zwar zeichnete sich ganz deutlich ab, dass das Ziel der sogenannte Schauvogel war; Vögel, die für das Auge bestimmt waren, also besonders schön in Farbe und Form sein sollten. Mit der früher so erfolgreichen Gesangszucht ging es immer mehr bergab. Die wenigen noch vorhandenen Altzüchter hörten mit der Zucht auf und die nachkommenden Jungmitglieder beschäftigten sich mit der Schauvogelzucht. Dieser Trend hält bis heute an.

1972 gab Herbert KÖPPL den Vorsitz an Norbert HARTMANN ab, mußte aber bereits im Jahr 1975 wieder als Vorstand einspringen. Trotz stagnierender Besucherzahlen wurde nun auf Wunsch der Mitglieder jedes Jahr eine Ausstellung durchgeführt. Natürlich verstand man auch weiterhin anderweitig zu feiern. So wurde jedes Jahr mit einem zünftigen Faschingsfest begonnen, das zwar sehr unterschiedlich gut besucht war, aber deshalb nicht weniger lustig war. Auch Vereinsausflüge wurden nicht zu knapp abgehalten und Entfernungen spielten auch bei uns bald keine Rolle mehr, so dass wir uns den herrlichen Vogelpark WALSRODE in der Lüneburger Heide zum Ziel auswählten.

Die Mitglieder des Rosenheimer Vereines bekamen auch langsam den Mut, nicht nur innerhalb Bayerns, wo schon viele 1. Plätze und weitere gute Platzierungen errungen wurden, ihre Spitzenvögel auszustellen, sondern nahmen auch vermehrt an Bundesschauen teil. So konnte der Rosenheimer Verein je einmal den Bundessieger für Positurkanarien, vertreten durch Sepp FISCHER, und den Bundessieger für Großsittiche, vertreten durch Stephan HAHN, erringen. Der Rosenheimer Vogelverein hat über die Grenzen Bayerns hinaus einen guten Ruf. Wegen beruflicher Überlastung musste der bewährte Vorstand Herbert KÖPPL den Vorsitz im Januar 1978 erneut abgeben.

Als Nachfolger wurde bei der Generalversammlung am 15. Januar 1978 Stefan HAHN gewählt. Bei seiner Antrittsrede gab der neue Vorstand auch gleich bekannt, in welcher Weise er den Verein zu führen gedenke und welche Maßnahmen ihm am wichtigsten erscheinen. Etwas mehr Disziplin bei den Versammlungen, die Achtung der Meinung andersdenkender Mitglieder waren die Hauptforderungen. Als vordringliche Arbeit wurde die Ausarbeitung einer Vereinssatzung und eine Ausstellungsordnung angesehen. Bereits einen Monat später wurde beides in Angriff genommen und bald danach zum Abschluss gebracht. Der Eintrag des Vereines in das Vereinsregister wurde aus verschiedenen Gründen zurückgestellt. Mit Stefan HAHN hat der Rosenheimer Vogelverein nun einen Vereinsleiter, der dem Vereinsleben neue Impulse gegeben hat, insbesondere im Bereich des Schauwesens. Zu seinem 75jährigen Bestehen kann man dem Rosenheimer Vogelverein nur wünschen, dass seine nunmehr 96 Mitglieder weiterhin in kameradschaftlicher und freundlicher Verbundenheit zusammenstehen. Um die Zukunft des Vereines braucht dann niemand in Sorge sein.

Im Jahr 1972 wurde auf besondere Initiative des Sportfreundes Hermann SCHMID innerhalb des Rosenheimer Vereines eine AZ-Ortsgruppe gebildet. Die anfänglichen Befürchtungen, dass sich wegen dieser neuen Organisation Schwierigkeiten ergeben könnten und der Stammverein darunter leidet, sind zum Glück nicht eingetreten. Mit allseitigem guten Willen und Kameradschaft geht eben alles.

Josef Fischer

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